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Quer durch Europa werden Windows-User dieser Tage vor
die Wahl gestellt, welchen Browser sie nutzen wollen. Im Gespräch mit
pressetext geht Roberto Mateu, Produktmanager Consumer Products bei
Opera, auf die Vorteile dieser neuen Wahlfreiheit ein. Er spricht über
Opera als schnellsten Wagen auf dem Datenhighway in einem neuen
Browser-Krieg ebenso wie das Problem des Geschäftsmodells als
Erfolgsfaktor im Kampf um Marktanteile.
pressetext: Microsoft ist dabei, in Europa den
Browser-Auswahlbildschirm auch als Windows Update bereitzustellen.
Welchen Einfluss wird das auf die Browser-Marktanteile haben?
Mateu: Aus unserer Sicht ist das sehr wichtig, aber für
uns stehen die Vorteile für User und nicht die Marktanteile im
Vordergrund. Die Auswirkungen werden gewaltig sein, wenn User erkennen,
wie Browser mit modernen Webtechnologien funktionieren sollten. Selbst,
wenn sie beim Internet Explorer bleiben, ist der Übergang von IE6 auf
IE8 ein großer Vorteil.
pressetext: Stellt es nicht ein wenig den Sinn des
Auswahlbildschirms in Frage, dass dort die fünf verbreitetsten Browser,
darunter Opera, sichtbarer sind als sieben weitere Alternativen?
Mateu: Ich glaube nicht. Wir haben gesehen, dass die
Erwähnung von Chrome in einem BBC-Bericht letztes Jahr auch mehr User
angeregt hat, sich auch Alternativen wie Opera anzusehen. Ähnliches wird
auch hier zutreffen.
pressetext: Mit Blick auf das iPhone muss man sagen, dass
Windows stets so weit offen war, dass User alternative Browser
installieren konnten. Ist das im Nachhinein betrachtet nicht lobenswert?
Mateu: Nun ja, Microsoft hat den IE lange als das Feature
für den Internetzugang präsentiert. Sie haben viel Schaden angerichtet,
indem Entwickler effektiv gezwungen wurden, Webseiten speziell für den
IE zu schreiben. Jetzt wird Microsoft endlich gezwungen sein, mehr mit
anderen an Standards zusammenzuarbeiten. Das ist das Positive am neuen
Browser-Krieg, es ist ein Rennen auf dem gleichen Highway. Es gibt nicht
mehr zwei getrennte Spuren wie damals, als Webseiten nur vom IE oder von
Netscape richtig dargestellt wurden.
pressetext: Bei Opera 10.50 für Windows gab es zwei
Beta-Versionen und fünf Release Clients in knapp drei Wochen. Andere
würden dafür eher drei Monate brauchen. War das die große Hast, um
rechtzeitig für den Windows-Auswahlbildschirm fertig zu werden?
Mateu: Nein. Die Deadline Anfang März stand, bevor wir
genaues zum Auswahlbildschirm wussten. Wir haben einfach viele
Entwickler an die Windows-Version gesetzt und einen sehr transparenten
Testprozess. Es kam immer praktisch sofort Feedback zu Details, die
korrigiert werden müssen. Die vielen Vorabversionen gab es nur wegen der
Menge an Feedback.
pressetext: Ein Feature, mit dem sich Opera von der
Konkurrenz abhebt, ist das Komprimierungstool. Braucht ein
Desktop-Browser das im Breitband-Zeitalter überhaupt?
Mateu: Außerhalb von Westeuropa und Nordamerika ist die
Infrastruktur vielerorts katastrophal, mit Verbindungen allenfalls auf
3G-Niveau. Dort ist Turbo zwar kein Allheilmittel für
Geschwindigkeitsprobleme, aber es hilft Browser-Nutzern.
pressetext: Was sind aus Ihrer Sicht Features, mit denen
sich Opera heute von der Konkurrenz abhebt oder schon früher abgehoben
hat?
Mateu: Ganz groß ist bei Opera 10.50 das Thema
Geschwindigkeit, nicht nur bei Benchmarks, sondern auch, wie sie der
User erlebt. Ein Vorreiter waren wir mit Speed Dial. Die späteren
Umsetzungen bei Chrome und Safari bevormunden User etwas, während wir
völlige Freiheit bieten und außerdem eine Keyboard-Navigation
unterstützen. Auch fanden es viele absurd, als wir Tabs oberhalb der
Adresszeile eingeführt haben. Aber das hat allen
Next-Generation-Browsern als Inspiration gedient.
pressetext: Opera zeigt also immer wieder innovativ auf.
Warum kann Opera das nicht recht in Nutzerzahlen umsetzen?
Mateu: Viele Statistiken sind einfach zu US-zentrisch. Wir
sind vielerorts führend oder sehr stark, etwa in Russland und der
Ukraine. Wir sind auch gleichzeitig mit Googles Chrome gewachsen, der
nicht nur dem IE Marktanteile abnimmt, sondern mancherorts auch Firefox.
pressetext: Das ändert nichts daran, dass Firefox deutlich
stärker gewachsen ist als Opera. Woran liegt das?
Mateu: Als der ursprüngliche Netscape dem IE zum Opfer
gefallen ist, haben wir überlebt, weil wir ein Geschäftsmodell -
kostenpflichtig oder mit Werbung - hatten. Ein für Gratis-Browser
tragfähiges Geschäftsmodell wurde erst mit der Google-Suchintegration ab
etwa 2004 möglich und Firefox ist genau damit gestartet. Wir haben erst
etwas später umgestellt. Mozilla hat ferner eine sehr starke Community,
obwohl sich auch MyOpera mit vier Mio. Usern sehen lassen kann.
pressetext: Bei Operas Stärke im Handy-Segment bekommt man
von außen den Eindruck, dass hier das Geld verdient wird, um es in der
Desktop-Entwicklung zu verpulvern. Stimmt das?
Mateu: Nein, das ist Unsinn. Desktop ist für gut ein
Viertel unserer Einnahmen verantwortlich, eben durch Search Engine
Revenue Sharing. Wenn unser Marktanteil steigt, wird auch dieser Anteil
steigen.
pressetext: Vielen Dank für das Gespräch.
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Thomas Pichler
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